Welche Wildtiere prägen die Alpen von morgen?

Klimawandel und veränderte Lebensräume setzen die Tierwelt der Alpen unter Druck. Beim 14. Wildökologischen Forum stand die Frage im Mittelpunkt, wie Wissenschaft, Jagd und Naturschutz diesen Herausforderungen gemeinsam begegnen können

Die Alpen verändern sich und mit ihnen ihre tierischen Bewohner. Klimawandel, Krankheiten und die veränderte Nutzung unserer Kulturlandschaft stellen Wildtiere, aber auch Landwirte, Jäger und Naturschützer vor neue Herausforderungen. Die entscheidende Frage beim 14. Salzburger Wildökologischen Forum lautete daher nicht, ob Veränderungen stattfinden werden, sondern wie man damit umgehen kann. Anhand einiger Arten wie Schneehase, Schneehuhn, Wolf oder Auerwild zeichnete Klaus Hackländer von der Boku ein Bild über die Gewinner und Verlierer aktueller Entwicklungen im Alpenraum.

 

Jäger als Gesundheitswächter im Revier

Besonders im Fokus von Anette Nigsch von der Ages stand die Tuberkulose bei Rotwild und Rindern. Die Forschung zeigt, dass Rotwild derzeit das größte Krankheitsreservoir ist. Solange Rotwild und Weidevieh in Kontakt stehen, wird es weiterhin in Tirol und Vorarlberg zu Fällen kommen. Erfolg in der Bekämpfung verspricht eine Kombination verschiedener Maßnahmen: lokale Reduktion hoher Rotwilddichten, revierübergreifende Zusammenarbeit sowie das rasche Entfernen kranker Tiere. Während Tuberkulose bereits Realität ist, bleibt Österreich bislang von der Afrikanischen Schweinepest verschont. Die Krankheit ist für Haus- und Wildschweine tödlich und kann über Monate in Fleischresten, Blut oder Knochen überdauern. Die Ausbreitung in Europa zeigt deutlich, dass nicht allein Wildschweine dafür verantwortlich sind. Zwar können diese die Krankheit regional verbreiten, die großen Sprünge über Hunderte Kilometer erfolgen jedoch meist durch achtlos entsorgte Lebensmittel. Aufklärung und Vorsorge bleiben daher entscheidend.

Die Bedeutung der Mitwirkung der Jägerschaft wurde im Zusammenhang mit dem Tiergesundheitsmonitoring besonders hervorgehoben. Durch ihre regelmäßige Präsenz im Revier erkennen Jäger Veränderungen im Wildbestand und auffällige oder kranke Tiere oft frühzeitig. Um Krankheiten zu entdecken und möglichst rasch wirksam zu bekämpfen, braucht es jedoch mehr als gute Beobachter: Wissenschaft, Landwirtschaft und Jägerschaft müssen eng zusammenarbeiten.

  • Experten aus der Praxis sowie Interessierte an einer nachhaltigen Alpenraum-Zukunft trafen sich beim Wöfa Salzburg. Im Bild LHF-Stv. Marlene Svazek mit LWK-Präsident Rupert Quehenberger, Professor Klaus Hackländer, Konrad Mylius (Präsident der Land- und Forstbetriebe Österreich), Gregor Grill (LK) und Kammeramtsdirektor Franz Wieser. Foto: Bruckmüller, Strassl

  • Das Wildökologische Forum lebt von verschiedenen Sichtweisen: Michael Butschek, GeoSphere Salzburg, Winfried Herbst, Naturschutzbund, Gregor Grill, LK Slazburg, Gabi Fidler, Salzburger Jägerschaft, Silvester Gfrerer, Obmann Salzburger Alm- und Bergbauernverein (v. l.)

Gams unter Druck

Kaum ein Wildtier steht so sinnbildlich für die Alpen wie das Gamswild. Es benötigt hochwertige Nahrung, geeignete Rückzugsräume und Möglichkeiten zur Thermoregulation. Wetterextreme nehmen zu und die Lebensraumnutzung verändert unsere Berge. Pia Anderwald vom schweizerischen Nationalpark, einem Wildnisgebiet, berichtete, dass in manchen Regionen der Rotwildbestand oder die Schafhaltung die Verteilung der Gämsen stärker als der Klimawandel selbst beeinflussten. Gleichzeitig gewinnt der Wald als Rückzugsraum an Bedeutung. Er bietet kühlere Bedingungen, führt aber auch zu neuen Herausforderungen im Wald-Wild-Management.

 

Die Vogelwelt der Alpen im Umbruch

Besonders sensibel reagieren die alpinen Vogelarten auf Veränderungen. Arten wie Alpenschneehuhn, Schneesperling oder Bergpieper sind an die Bedingungen des Hochgebirges angepasst. Doch genau diese Spezialisierung wird nun oft zum Problem. Steigende Temperaturen drängen die Tiere immer weiter nach oben. Gleichzeitig rücken neue Konkurrenten, Fressfeinde und Parasiten nach. Irgendwann ist der Gipfel erreicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Sabine Hille von der Boku führte aus, dass offene Lebensräume schrumpften, während die Waldgrenze langsam bergauf wanderte. Während manche Arten flexibel reagieren können, wird es für andere eng. Die Arealverschiebungen sorgen aber auch bei einigen Vogelarten für neue Chancen.

  • Das Fachpublikum beteiligte sich rege an den Diskussionen, im Bild Mag. Gabi Fidler, Tierärztin und LJM-Stv. in Salzburg.

Die Alpen – mehr als Berge

Ein Schlüsselbegriff der Tagung war daher das „Refugium“: Rückzugsräume, die Arten auch künftig das Überleben ermöglichen. Viele dieser Flächen liegen außerhalb bestehender Schutzgebiete. Ihr Erhalt wird eine zentrale Aufgabe der Zukunft sein. Ebenso wichtig bleibt die Bewirtschaftung der Almen. Extensive Almwirtschaft schafft offene Lebensräume, von denen zahlreiche Tierarten profitieren. Gehen Auftriebszahlen zurück, breiten sich Zwergsträucher und Gehölze aus und wertvolle Lebensräume gehen verloren.

 

Die Botschaft der Tagung war daher eindeutig: Die Herausforderungen sind komplex und einfache Antworten gibt es nicht. Was es braucht, sind wissenschaftliche Grundlagen, funktionierendes Monitoring und vor allem mehr Zusammenarbeit. Denn Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd verfolgen letztlich dasselbe Ziel: den Erhalt einer vielfältigen und lebenswerten Alpenlandschaft. Oder, wie es ein Diskussionsteilnehmer treffend formulierte: „Wir müssen nicht gegeneinander kämpfen, sondern miteinander, denn die Zukunft der Alpen kann nur gemeinsam gestaltet werden.“

Weitere Neuigkeiten

Alle Beiträge anzeigen
Detaileinstellungen

Detaileinstellungen

Notwendig

Diese Cookies sind immer aktiviert, da sie für Grundfunktionen der Website erforderlich sind.
Sie tragen sie zur sicheren und vorschriftsmäßigen Nutzung der Seite bei.

Details anzeigen

Wir nutzen den "Google Tag Manager", um die Google Analyse- und Marketing-Dienste in unsere Website einzubinden und zu verwalten.

Details verbergen

Analyse / Statistik

Wir erheben anonymisierte Daten für statistische und analytische Zwecke.
Beispielsweise könnten wir so verstehen, ob Sie über die Google Suche oder einer anderen Website zu uns gekommen sind.

Details anzeigen

Diese Website nutzt Funktionen des Webanalysedienstes Google Analytics. Anbieter ist die Google Ireland Limited ("Google", Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland.

Google Analytics verwendet so genannte "Cookies". Das sind Textdateien, die auf Ihrem Computer gespeichert werden und die eine Analyse der Benutzung der Website durch Sie ermöglichen. Die durch den Cookie erzeugten Informationen über Ihre Benutzung dieser Website werden in der Regel an einen Server von Google in den USA übertragen und dort gespeichert.

Die Speicherung von Google-Analytics-Cookies und die Nutzung dieses Analyse-Tools erfolgen auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Der Websitebetreiber hat ein berechtigtes Interesse an der Analyse des Nutzerverhaltens, um sowohl sein Webangebot als auch seine Werbung zu optimieren.

Details verbergen
Verbergen