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Lungaus neuer Bezirksjägermeister im Interview

Seit 27. Februar 2022 ist DI Franz Landschützer neuer Bezirksjägermeister im Lungau. Wir haben ihn nach seinen Vorhaben und die künftigen Herausforderungen in seiner Funktion folgende Fragen gestellt:

 

Wie fühlt man sich als frisch gewählter Bezirksjägermeister im Lungau?
DI Franz Lanschützer: Mit der uneingeschränkten Zustimmung und den vielen Gratulationen ist man demütig ergriffen und es stärkt das Bewusstsein, dass es die Jagd und die Jäger im Lungau in Verbindung mit den Grundeigentümern wert sind, dass man sich dafür einsetzt. 


Der Lungau ist deine Heimat, dort bist du aufgewachsen. Hast du hier auch deine ersten jagdlichen Gehversuche erleben dürfen und wer war dein Lehrprinz, wie man das jagdlich sagt?
DI Franz Lanschützer: Soweit ich zurückdenken kann, war die Jagd in unserer großen Familie immer in einer sehr bäuerlich ausgeprägten Form präsent. Meine Mutter hat als eine der ersten Frauen in Salzburg Anfang der 1950er Jahre den „Jagdschein“ gemacht und sie hat mich in ihrer Art zu jagen ebenso geprägt wie der Vater, mit dem ich meine ersten „größeren“ Stücke erlegen konnte.


Der Bezirksjägermeister ist ein Ehrenamt und kein Hauptberuf. Ist er auch eine Berufung und wenn ja, wann hast du den Entschluss gefasst dieses Amt mit deiner Persönlichkeit ausüben zu wollen?
DI Franz Lanschützer: Es war vorher nicht mein persönliches Ziel, Bezirksjägermeister zu werden, weil das eigentlich immer Grundeigentümer sein sollten, und der bin ich leider nicht. Befreundete Jagdinhaber haben mich trotzdem dem geschätzten Bezirksjägermeister Stefan Palffy als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Die Aufforderung sowohl der Grundeigentümervertreter in der Bezirksbauernkammer bzw. Landwirtschaftskammer als auch der Land- & Forstbetriebe es anzunehmen, haben mir die Entscheidung letztlich leichtgemacht. 

 

Welche Themen, Aufgaben und Herausforderungen siehst du für das Jagdwesen im Bundesland allgemein und im speziellen für den Lungau in den kommenden Jahren auf dich als Bezirksjägermeister zukommen?
DI Franz Lanschützer: Der Lungau ist, was die Jagd und ihre Verbindung mit den Grundeigentümern betrifft sehr gut aufgestellt. In enger Abstimmung mit der Bezirksbauernkammer und der Jagdbehörde wurden immer alle Angelegenheiten sehr konstruktiv geregelt und das soll auch so bleiben. Die Jagd selbst betreffend ist es mir ein Anliegen, diese als anerkannte nachhaltige Nutzung der Natur zu erhalten. Jagd ist um vieles mehr als irgendeine Freizeitbeschäftigung. Jagd ist Aufgabe und Lebenseinstellung. Dem gegenüber werden in allen Bereiche der primären Landnutzung – Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei – von bekannten Gruppen unter dem Deckmantel des Arten- und Klimaschutzes Einschränkungen gefordert. Diesen zu begegnen wird die größte Herausforderung der Zukunft sein und dazu braucht es eine Allianz über alle diese Bereiche hinweg.   


Im Brotberuf bist du Forstdirektor bei der Landwirtschaftskammer, leitest die zuständige Abteilung. Zu deinen Tätigkeitsfeldern zählen unter anderem Forstwirtschaftspolitik, die Geschäftsführung Waldverband Salzburg, die Geschäftsführung des Güterwegerhalt-ungsverband, Verwaltung des Wimmhofes in Fusch und vieles mehr. Oft wird medial berichtet, dass es zu viel Wildschäden am Wald durch Überpopulationen des Wildes gibt. Siehst du das als Spannungsfeld für dein ehrenamtliches Engagement oder ist es ein Gewinn?
DI Franz Lanschützer: Was mein berufliches Umfeld betrifft, bin ich sehr dankbar, hochqualifizierte und engagierte Mitarbeiter im Team der Landwirtschaftskammer zu haben, die es ebenso wie ich als ihre Aufgabe und Auszeichnung sehen, für Grundeigentum und dessen Nutzung eintreten zu können. Und dazu gehört auch die Jagd. Mit diesem Team kann in der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer auch eine breite Palette an Themen für die Grundeigentümer bearbeitet werden. Und Wildschäden sind ein solches Thema der Forstabteilung, das in Zukunft ebenso bearbeitet werden wird wie in der Vergangenheit. Für einen auf die Waldvegetation nicht tolerierbaren Einfluss gibt das Salzburger Jagdgesetz verschiedenste Maßnahmen vor, die zum gewünschten Ziel führen können. Wesentlich in der Verbesserung einer möglichen Schadenssituation im Wald ist der Einsatz der jeweiligen Jäger im Zusammenwirken mit dem betroffenen Grundeigentümer. Und so wie ich bisher vielleicht oftmals mehr zur Zufriedenheit der Grundeigentümer als der Jäger mein forst- und jagdliches Wissen eingebracht habe werde ich es auch in Zukunft tun. Entscheidend dabei ist es aber nicht von generellen Überpopulationen auszugehen, sondern anstehende Probleme auf lokaler Ebene anzusprechen und zu lösen.


Ist die Jagd auch von der Klimaerwärmung betroffen, da manche Bäume wie Fichten durch Käferbefall oder Verbissschäden nicht mehr aufkommen? Welche anderen Einflussfaktoren gibt es?
DI Franz Lanschützer: Unser gesamtes Umfeld ist von der Klimaänderung betroffen und der Wald in seiner Langlebigkeit augenscheinlich besonders stark. Es gibt aber auch schon viele Fachexpertisen, über die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf Wildtiere, die in der öffentlichen Wahrnehmung viel weniger in Erscheinung treten. All diese Veränderungen muss man aber immer in einem großen komplexen Zusammenhang sehen. Für die Jäger wird es sicher eine besondere Herausforderung sein, wenn die Klimaänderung für den Wald mehr sensible Baumarten wie die Tanne oder Eiche erfordert. Die Wildtiere an sich werden die Klimaänderung dort am meisten zu spüren bekommen, wo klimatische Veränderungen in Verbindung mit schon bisherigen extremen Lebensräumen auftreten, wie im Hochgebirge und wo diese Lebensräume zusätzlich durch Freizeitnutzung übergebührlich von Menschen beansprucht werden.  


Die Zeiten der Pandemie haben einen ungebrochenen Drang in die Natur und somit einen Vormarsch in den Lebensraum der Wildtiere ausgelöst. Das Forstgesetz von 1975 besagt, dass Jedermann den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten darf. Betreten ist dabei wörtlich zu nehmen. Reiten, Radfahren und anderes ist immer nur mit Zustimmung des Grundbesitzers gestattet. Siehst du hier Naturnutzungskonflikte, die noch stärker werden, weil die Menschen in die Natur drängen? Wie kann man dem entgegenwirken? Was ist dein Ansatz als BJM im Lungau, einer Tourismusregion?
DI Franz Lanschützer: Die Covid19 Pandemie hat sicher den Trend, die Natur zur Freizeitgestaltung zu benutzen wesentlich verstärkt. Abgezeichnet hat sich dieser Trend bereits vorher vor allem durch die verbesserte Technik, was die größeren und kleineren Gerätschaften von den E-Bikes angefangen bis hin zu den Stirnlampen betrifft, und die daraus resultierenden Konflikte auf der Fläche. Das Salzburger Jagdgesetzt bietet zwar die Möglichkeit von Habitat- und Biotopschutzgebieten, mit den entsprechenden Einschränkungen, diese sind jedoch derzeit politisch nicht umsetzbar. Umsetzbar sind aber schon Lenkungsmaßnehmen, wie sie auch schon praktiziert werden. Die Landwirtschaftskammer hat dazu auch beim Land Salzburg eine Koordinierungsstelle geschaffen, in deren Aufgabenbereiche sich sowohl die Grundeigentümer als auch die Jägerschaft einbringen kann.  


Welche Aufgabe siehst du in den nächsten 5 Jahren auf dich zukommen?
DI Franz Lanschützer: Für die Jagd und die Jäger an sich im Lungau ist es mein Ziel, die Hegegemeinschaften in ihrer Arbeit zu unterstützen und zu koordinieren, damit die Jagd attraktiv bleibt auch als Wert für die Grundeigentümer sowie gemeinsam mit der Jagdbehörde Konzepte einzufordern, deren Umsetzung Schäden am Wald hintanhalten. Eine Aufgabe wird es auch sein, unterstützend dort mitzuwirken, wo Lenkungsmaßnahmen der Freizeitnutzung erforderlich sind.

 

Was wünscht du dir für deine erste Amtszeit?
DI Franz Lanschützer: Ich wünsche mir, dass die Jäger im Lungau von der Bevölkerung positiv sichtbar wahrgenommen werden und deren Arbeit und Tätigkeit als Beitrag zur Erhaltung des Wildes und deren Lebensräume gesehen wird. Und ich würde mir wünschen, dass sich entlang der höheren Berge zwischen den Schladminger und Hohen Tauern auch in Verbindung mit Kärnten sich eine zusammenhängende Steinwildkolonie entwickelt, die später nachhaltig auch jagdlich genutzt werden kann. Es wäre eine unvergleichliche Bereicherung für die gesamte Jagd im Lungau.  

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