

Österreichische Wildtierstiftung - ÖWST
von Naturverstand Redaktion – Land & Forst Betriebe Österreich
Naturverstand: Was ist die Wildtierstiftung und wofür steht sie?
Max Mayr Melnhof: Die österreichische Wildtierstiftung ähnelt ein bisschen der Idee der deutschen Wildtierstiftung. Unser Hauptgedanke ist, dass wir Ressourcen auftreiben, um die Jagd besser darzustellen. Unsere Vorstellung wäre, dass jeder Jäger oder jede Jägerin freiwillig 10 Euro pro Jahr spendet, um die Tätigkeit der Wildtierstiftung zu unterstützten. Und unsere Hauptaufgabe als Wildtierstiftung ist die Öffentlichkeitsarbeit und die Prägung eines positiven Bildes über die Jagd in Osterreich.
Ich bin der Überzeugung, dass Jagd Österreich ein Zusammenschluss der größten und ältesten Naturschutz- und Tierschutzorganisation ist. Das ist meine Überzeugung und keine leeren Worte. Wir müssen das der Öffentlichkeit verständlich machen, um die Jagd, wie wir sie lieben und ausüben, zu erhalten.
Naturverstand: Welche konkreten Ziele verfolgt die Wildtierstiftung mit ihrer Arbeit? Welche zentralen Botschaften möchte man vermitteln?
Max Mayr Melnhof: Die Öffentlichkeitsarbeit mussten wir erst lernen, sagen wir mal in den letzten 10 bis maximal 15 Jahren. In dieser Zeit haben verschiedene NGOs, die der Jagd nicht so gut gesonnen sind, massive ungerechtfertigte auf Ideologie zurückzuführende Angriffe gegen die Jagd gestartet. Und die Jagd ist in eine Phase der Defensive hineingekommen, wo wir uns rechtfertigen müssten. Wir sagen und das ist ach Ziel der Wildtierstiftung: „Wir wollen uns nicht rechtfertigen müssen, sondern erklären dürfen.“
Wir sind nach den Jagdgesetzen der Artenvielfalt verpflichtet. Das heißt, wir fördern auch die Biodiversität in den Revieren. Die Jagd hat österreichweit eine Wertschöpfung von derzeit 1,3 Milliarden Euro. Das Ziel der Wildtierstiftung ist, dieses Wissen über die Jagd und ihre Vielfalt zu vermitteln. Zudem wollen wir in einer Wildtierdatenbank umfassend erheben, welche Wildtiere in Österreich vorkommen. Somit ist es unser Ziel, diese Zahlen, Daten und Fakten zu erfassen und für den nachhaltigen Umgang mit der Natur zu nutzen.
Wir leben in einer Kulturlandschaft und nicht mehr in einer Naturlandschaft. Das heißt, ohne Eingriff des Menschen ist der Naturhaushalt nicht mehr zur Selbstregulation in der Lage. Das heißt, wir müssen eingreifen. Und das was wir als Jagd dafür tun, wollen wir besser kommunizieren. Wir sind gut, aber derzeit verkaufen wir uns noch zu schlecht.
Naturverstand: Welche Rolle spielt Wildtiermanagement in einer klimaangepassten Waldentwicklung?
Max Mayr Melnhof: Als Landesjägermeister bin ich nicht nur Jäger, sondern ich vertrete das Wild. Als Eigentümer kann ich nur mit Vorbild zeigen, wie es funktionieren kann. Wildtiermanagement ist essentiell und notwendig. Das geben aber auch unsere Gesetze wieder. Und ich komme noch mal darauf zurück, was ich bereits gesagt habe. Wir leben in einer Kulturlandschaft. Das heißt, der Mensch muss eingreifen, um die Wildbestände auf einem verträglichen Maß zu halten. Forstwirtschaft ohne Jagd wird nicht gehen. Und ein Vorteil des österreichischen Jagdgesetzes oder Forstgesetzes ist nicht umsonst jener, dass die Jagd und Grundbesitz untrennbar miteinander verbunden sind.
Naturverstand: Wo sehen Sie die größten Schnittmengen zwischen Wald, Gesellschaft und Jagd?
Max Mayr-Melnhof: Wir müssen vor allem der urbanen Bevölkerung, oder denen die das Wissen nicht mehr haben, erklären was wir tun. In der Forstwirtschaft produzieren wir Baustoff. Kein Wald darf daher für ewig geschützt werden, da dort wichtige Rohstoffe heranwachsen. Als Forstwirtschaft sind wir immerhin der größte Arbeitgeber österreichweit (319.000 Arbeitsplätze die mit dem Rohstoff Holz zu tun haben). Aber leider wissen viele Menschen nicht mehr, woher ihre Lebensmittel und Rohstoffe stammen. Für viele kommt das Fleisch aus der Plastikverpackung oder die Milch aus der Milchpackung.
Ich glaube, dieses Wissen zu vermitteln ist unsere größte Aufgabe in der Forstwirtschaft, in der Jagdwirtschaft und in der Landwirtschaft. Was heißt nachhaltige Nutzung und wie profitiert die gesamte Bevölkerung von unserem Tun? Und diese Dinge lassen sich nicht auseinanderdividieren. Also, wenn man immer sagt, da ist die Jagd auf der einen Seite und der Forst auf der andere. Nein! Es ist alles eines. Es ist alles die ländliche Nutzung.
Naturverstand: Worin liegen ihrer Meinung nach die größten Konfliktpunkte zwischen Erholungssuchenden, Grundeigentümern, Jägern und Forstwirtschaft? Welche Lösungsansätze verfolgen Sie mit der Wildtierstiftung, auch um den Dialog zwischen den einzelnen Gruppierungen zu stärken?
Max Mayr Melnhof: Das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass die Leute sehr viel Meinung aber wenig Wissen haben. Also müssen wir Wissen vermitteln. Wir- dürfen lehren und nicht belehren. Ich will mich erklären dürfen und mich nicht rechtfertigen müssen.
Und wissen Sie was? Wenn sich Leute falsch in der Natur benehmen, die wissen es gar nicht besser. Diese Schuld haben auch wir zu tragen, da wir die Aufklärung nicht vorangetrieben haben. Wir haben uns viel zu sehr versteckt. Deswegen liegt die Hauptaufgabe in der Öffentlichkeitsarbeit, um zu erklären was die nachhaltige Nutzung in der Landwirtschaft und auch in der Jagdwirtschaft ist. Ich glaube, wenn wir dieses Wissen vermitteln, werden wir auch mehr Akzeptanz bekommen!
Naturverstand: Wie positioniert sich die Wildtierstiftung zum Thema Jagdrecht und Grundeigentum?
Max Mayr Melnhof: Das Jagdrecht ist untrennbar mit Grund und Boden verbunden. Die meisten Jäger und Jägerinnen in Österreich jagen auf fremden Grund und Boden. Das heißt. dass der Respekt vor Eigentum im Vordergrund stehen muss. Das grundsätzliche Sagen hat immer der Eigentümer, und das ist im Rahmen der Gesetze auch zu respektieren.
Naturverstand: Wie sieht ein idealer Wald und Lebensraum der Zukunft für die Wildtierstiftung aus – ökologisch, ökonomisch und jagdlich?
Max Mayr Melnhof: Es ist für jeden Platz, für jeden. Es ist für den Wald Platz. Immerhin haben wir ja pro Tag vier bis fünf Fußballfelder Waldzuwachs in Österreich. Es ist genug Platz für das Wild. Es ist auch genug Platz für Menschen, wenn sie sich alle dementsprechend benehmen und der Respekt vor (Grund) Eigentum muss immer Priorität haben. Es geht Miteinander und mit einem Verständnis füreinander und das durch die Aufklärung. Also Wissen ist die Basis der Demokratie. Wenn ich Wissen über etwas habe, dann werde ich auch den Umgang mit diesen verschiedenen Faktoren lernen und respektieren können
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