Naturschutz endet bei den Räubern

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

das Urteil des Landesverwaltungsgerichtes überrascht mich wenig. Dennoch zeigt es uns eines, dass die Ausnahmebestimmungen der FFH-Richtlinie der Europäischen Union so nicht umsetzbar sind. Es zeigt auch, dass derartige juristische Verfahren durch die Einsprüche von NGOs immer zeitlich verzögert werden können.

Mit der Rückkehr des Wolfes ist ein Prädator für Wild und Nutztiere zurückgekehrt. Die Winterfütterungen sind ein gedeckter Tisch für ihn. Wir, die Jägerinnen und Jäger, sind für den Erhalt einer Artenvielfalt an Wildtieren und deren artgerechten Lebensräume und Lebensbedingungen zuständig.

Das Rotwild lebt in den Wintermonaten in Einständen in der Nähe des Fütterungsbereichs. Bedient sich der Wolf hier, bekommen wir ein massives Problem. Wir nehmen damit unnötiges Tierleid in Kauf. Das Rotwildrudel wird flüchten und die Fütterung tagelang oder wochenlang meiden. Der natürliche Hunger wird Verbiss- und Schälschaden an Schutz- und Bannwälder verursachen. Dies hat zur Folge, dass die Abschusszahlen von Gesetzes wegen erhöht werden, damit sich die Schäden an den Wäldern in einem tolerierbaren Ausmaß halten. Hier wird unnötig Druck auf das Tier und den Menschen aufgebaut. Und dies nur, weil sich einige wenige vom Schreibtisch aus wünschen, dass der Wolf in Österreich wieder angesiedelt wird. Nun, das ist er ja schon.

Der Wolf kennt keine Grenzen und seine Wanderstrecke, im Laufe des Lebens, kann bis zu 1.000 km betragen. Derzeitige Schätzungen belegen, dass es ca. 35.000 Wölfe in Europa gibt. Die Wachstumsrate in einem Jahr liegt bei 30 %. Eine vom Aussterben bedrohte Art sieht zahlenmäßig etwas anders aus. Die Frage ist also nicht, ob wir mit ihm leben können, sondern die Frage ist, wie wir in Koexistenz mit ihm leben wollen! Der Wolf hat zu lernen mit uns zu leben und nicht so wie die NGOs verlangen, dass wir lernen müssen mit ihm zu leben.

Für die Almbauern und Landwirte sehe ich künftig dunkle Wolken aufziehen. Der Wolf wird sich in den Sommermonaten an ihren Nutztieren in den Almgebieten bedienen. Diese sind eine leicht zu erfassende Beute. Nur auf Herdenschutzmaßnahmen zu plädieren ist unsinnig, weil diese in vielen Almgebieten geologisch und finanziell nicht umsetzbar sind. Die Almbauern gehören von Fachexperten beraten, die mit ihnen gemeinsam das jeweilige Almgebiet begehen, um so einen Eindruck zu gewinnen, welche Maßnahmen die effektivsten sind. Der Elektrozaun selbst wird ja zu 100 % von der EU finanziert, aber auf den Kosten für die Pflege des Elektrozauns, wie beispielsweise Ausbesserungen oder Freischneiden von überwucherndem Gras, bleiben die Almbauern sitzen. Und das kann es wohl nicht sein.

Besser wäre sich auf europäischer Ebene über wolfsfreie Zonen zu einigen und diese auszuweisen. Für mich zählt Österreich nicht zu jenem Land, dass dem Wolf seine artgerechten Lebensbedingungen bietet, wohl eher dünn besiedelte Gebiet, die bereits Wolfgebiete sind. Es wäre durchaus denkbar, dass wir über Vergrämungsmaßnahmen sprechen und dem Wolf damit ein klares Signal geben, dass er in unseren Gebieten nicht erwünscht ist.

Ich bleibe dabei: Der Naturschutz beginnt und endet mit dem Schutz von Prädatoren. Das ist traurige Realität.

Euer,

Max Mayr Melnhof
Landesjägermeister von Salzburg

 

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