• Der 73. Landesjägertag stand ganz im Zeichen der Corona Maßnahmen

Ersatztermin Landesjägertag

Mit zweieinhalb monatiger COVID-19 bedingter Verspätung konnte am Samstag, den 11. Juli 2020 der 73. Landesjägertag im Stieglkeller Salzburg abgehalten werden. Aufgrund der Veranstaltungsverordnung konnte Landesjägermeister Max Mayr Melnhof nur einen eingeschränkten Teilnehmerkreis von rund 125 Delegierten und eine Handvoll Ehrengäste in seiner Eröffnungsrede begrüßen, unter ihnen der Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Rupert Quehenberger, Kammeramstdirektor der Kammer für Land- und Forstwirtschaft Dr. Nikolaus Lienbacher MA, Alt-Landesjägermeister KommR. Josef Eder, Dipl.-Vw. Manfred Laubichler, Ing. Mag. Dr. Andreas Falkensteiner sowie die Bezirksjägermeister und die GeschäftsführerIn der Bezirke. 

Mit einem kurzen Rückblick auf das erfüllte Leben vom ehemaligen Landesrat und Landesjägermeister ÖR Dipl.-Ing. Friedrich Mayr Melnhof und einer anschließenden stillen Minute wurde ihm und allen Verstorbenen der Salzburger Jägerschaft im Jahr 2019/2020 gedacht. 

Anschließend begann Landesjägermeister Max Mayr Melnhof seinen Tätigkeitsbericht mit einem Gastkommentar zum Thema Wolf. 

Gastkommentar des Landesjägermeisters von Salzburg

„Würde es Rotkäppchen und dessen Großmutter in den Grim‘schen Märchenbücher noch geben, wenn der Jäger ein Jahr hätte warten müssen? Der Abschussbescheid der Bezirksbehörde St. Johann im Pongau hat Gottlob keine Relevanz auf die bekannte Erzählung. Das Salzburger Jagdgesetz beinhaltet insgesamt 90 jagdbare Wildtiere. Nicht einmal 30 werden von den Salzburger Jägerinnen und Jägern nachhaltig genutzt. Der Rest ist ganzjährig geschont. Es liegt aber in unserem Aufgabenbereich auch für diese Wildtiere Sorge zu tragen. Dies tun wir mit Freude und Passion. In Ausnahmefällen kann es für diese ganzjährig geschonten Wildtiere Abschussbescheide geben. Diese sind wohlüberlegt und begründet, wie nun auch in diesem Fall, wenn es sich um den Problemwolf im Pongau handelt. Die Jagd ist von Gesetzes wegen untrennbar mit Grund und Boden verbunden. Also haben wir als Salzburger Jägerschaft nicht nur die Freude, sondern auch die Verpflichtungen unsere Bauern zu unterstützen, also Wald, Feld und Viehbestand vor Schäden weitgehend zu schützen. Wildtiere gehören niemanden, solange sie nicht erlegt sind. Bei Nutztieren ist dies bekannterweise anders. Weil sich also Wolf, Bär oder Luchs an besitzlosen Wildtieren vergreifen, also diese frisst, so ist dieses ein natürlich zu akzeptierender Fakt von fressen und gefressen werden. Wenn aber Tiere, in Besitz eines Halters sind und die Ausfälle ein natürliches Maß übersteigen so kommt mir komischerweise immer unser Bundespräsident in den Sinn, der vor Monaten noch von unserer schönen Verfassung geredet hat. Ja ich gebe ihm recht, ich bin jeden Tag glücklich Österreicher sein zu dürfen, aber genau in dieser Verfassung steht ganz vorne und unmissverständlich, dass es mein Recht ist, Leib, Leben und Vermögen zu schützen. Ist nicht der Viehbestand eines jeden Bauern ein Teil seines Lebens, besser ausgedrückt sein Vermögen? Aber nein! Es gibt ja dann Gutmenschen, die uns gebetsmühlenartig aufklären, dass es doch so einfache Möglichkeiten gibt diese Nutztiere mechanisch oder mit Hunden zu schützen. Und falls das nicht geht so bekommt der Geschädigte ja eh eine Abgeltung über den erlittenen Schaden. Wenn das so ist, dann finde ich es nur fair, die Zahler, also uns Steuerzahler, aufzuklären, was denn in Zukunft das Heißen wird. Knapp 1.000 Almen, etwa 25 % der Landesfläche, werden mit Stromzäunen gesichert und von scharfen Hunden bewacht. Einmal wöchentlich ist der Bereich rund um den Zaun auszumähen, da sonst der Strom über das nachwachsende Gras abgeleitet wird. Hunderte Hütehunde, dessen Verbleib mir fragwürdig erscheint, in den acht Monaten, wo kein Vieh auf der Alm mehr ist. Viele Felsregionen, wo mir keine Methode bekannt ist, wo man tausende Zaunpfähle verankern soll. Zehntausende Hektar Almen, welchen den Wildtieren als Nahrungsfläche nicht mehr zur Verfügung stehen, denn wolfssicher ist dann auch Wildsicher. Viele Bauern, die die Almwirtschaft aufgeben müssen, weil der Aufwand trotz Abgeltung und Förderung nicht durchführbar ist. Ja, ich glaube trotzdem an eine mögliche Koexistenz von Wolf und Mensch, aber dies nur durch faire Aufklärung und Spielregeln, die realistisch sein müssen. Wir leben nun nicht mehr in einer europäischen Wildnis, sondern in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft, für dessen Erhalt auch wir als Jägerschaft uns tagtäglich einsetzen. Illusionen verbreiten, nicht ausreichend aufklären und erklären, Halbwahrheiten und Schönmalerei, waren schon immer gute Geschäftsmodelle. Aber vielleicht muss erst der Hund des Bundespräsidenten von einem Wolf gefressen werden, um uns wieder an unsere schöne Verfassung zu erinnern.“

  • LJM Max Mayr Melnhof mit kritischen Worten zum Thema Wolf

Wildkrankheiten allgemein

Leider ist die Räude in Salzburg in hohen Maß immer noch vertreten. Den 158 gemeldeten Fällen vom Vorjahr, stehen heuer bereits 117 gemeldete Fälle im Vergleich gegenüber. Ebenso ist die Hasenpest in allen Salzburger Bezirken vertreten und so ersuchte der Landesjägermeister, diese sehr ernst zu nehmen. Es ist bekannterweise eine Zoonose, die auf den Menschen übertragbar ist. „Es ist von uns allen jeder darauf hinzuweisen, äußerste Vorsicht bei kranken oder toten Hasen. Unsere Verpflichtung ist auch, dies an Spaziergänger und Touristen weiter zu geben“, so der Appell des Landesjägermeisters.

Für die Abschussplanung 2020 gebührt ein besonders großer und doppelter Dank den Jagdinhabern, den Hegemeistern, den Leitern der Wildregionen, den Ausschussmitgliedern, den Bezirksjägermeistern, den Bezirkshauptmannschaften und den Bezirksbauernkammern. „Dass was heuer war, hat so noch nie stattgefunden, dass alles über Telefon ausgehandelt wurde mit einem unglaublichen Entgegenkommen. Und hier führe ich als Beispiel an, dass die Salzburger
Jägerschaft über 1.000 Abschussbescheide ausstellt. Das wurde heuer gemacht, ohne sich in die Augen zu sehen. Nur vier dieser Bescheide wurde beeinsprucht. Das zeugt von einem großen Vertrauen von Jagd und Grundbesitz“, ist der Landesjägermeister erfreut.

Jagdkarte neu

Seit April wird die Jagdkarten nur mehr im Scheckkartenformat ausgestellt. Alle JungjägerInnen erhielten bereits die neue Version der Salzburger Jagdkarte. Salzburger Jägerinnen und Jäger, die ihre Papierjagdkarte nicht mehr möchten, können mit der Bezahlung einer Gebühr von € 40,00 auf die Jagdkarte im Scheckkartenformat umstellen. Diese Karte beinhaltet einen Chip, der möglichst viele Funktionen abdecken sollte, unter anderem die Schießstände und Zutrittssysteme. Damit geht die Salzburger Jägerschaft ein Schritt in eine moderne Richtung. Auch die Überprüfung der Gültigkeit der Jahresjagdkarte kann künftig online erfolgen und wird im Abschussmeldeprogramm (JIS) ausgewiesen.

Die Schießanlagen waren selbstverständlich vom Lockdown betroffen. Der wertmäßige Verlust für die Salzburger Jägerschaft muss mit ca.  € 10.000 beziffert werden. Für die Wurfscheibenanlage gibt es keinerlei Erfahrungswerte. Bis dato wurden rund 135.000 Wurfscheiben zum Schießtraining verwendet.

Wildlebensraum Salzburg gGmbH

Die Salzburger Jägerschaft hat Mitte März eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung – die Wildlebensraum Salzburg gGmbh – gegründet. Welches Ziel wird hier verfolgt?
Einerseits soll ist die Gleichstellung mit den NGOs ein klares Ziel wie auch die Spendenabsetzbarkeit für private Spender als auch Unternehmen. Die Salzburger Jägerschaft beansprucht Natur- und Tierschutz als Thema für sich, denn „Wir reden nicht, wir tun“, formulierte es Landesjägermeister Max Mayr Melnhof.

Ziel ist die Erhaltung, nachhaltige Sicherung, Verbesserung und gegebenenfalls Schaffung von Biotopen und Habitaten für Tier- und Pflanzenwelt insbesondere heimischer Wildtiere (Anlegung von Hecken, Brachen, Blühwiesen, Waldstrukturen, Offenlandflächen etc.).

Ebenso gilt es die natürlichen Lebensgrundlagen mit dem Ziel der Erhaltung einer biologischen Vielfalt (Biodiversität) mit einem artenreichen und gesunden wild lebenden Tierbestand (Wildforschung, Wildseuchenuntersuchungen, - bekämpfung) zu sichern sowie zu verbessern.

Die Förderung der Erhaltung und Sicherung von gefährdeten Wildtieren sowie die Prävention autochthon Wildarten gegenüber invasiver gebietsfremder Arten, gehört ebenso zu den Aufgaben wie die Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung von Zusammenhängen zwischen Naturraum und unterschiedlichen Naturnutzern (Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Freizeitnutzung, Jagd) damit die Allgemeinheit die ökologischen Zusammenhänge besser versteht und nachhaltige Nutzung als eine Voraussetzung für die Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft erkennt und beachtet; (z. Bsp. Initiative Respektiere deine Grenzen, Wild und Naturpädagogik, Forst- und Jagddialog).

Die Fahrende Wildtierschule

Aktuell wird die Fahrenden Wildtierschule – Anhänger mit Zugfahrzeug – gebaut. In absehbarer Zeit steht diese Fahrende Wildtierschule für jagdpädagogische Programme in Kindergärten und Schulen zur Verfügung. „Wir möchten die Jagd gar nicht in den Vordergrund stellen. Mit der Fahrenden Wildtierschule soll der Zusammenhang der Natur, das Zusammenleben von den Wildtieren in der Natur, Grundbesitz was es heißt diesen zu respektieren und die Jagd, die darauf geduldet ist, näher erklärt werden“, sagte Max Mayr Melnhof. In sehr kurzer Zeit wurde dieses Projekt durch Spenden umgesetzt. Gute Ideen darf man kopieren. Als Ideengeber fungierte das Burgenland. Ein Projekterfolg ist nur dann garantiert, wenn ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen gemeinsam mit der örtlichen Jägerschaft hier zusammenarbeiten. Ende Juli beginnt der Ausbildungsworkshop, der an drei Wochenenden, in über 40 Stunden, die TeilnehmerInnen ausbilden wird. Die Salzburger Jägerschaft bedankt sich bei allen die sich gemeldet haben für ihre Bereitschaft, Wissen zu erlernen und weiterzugeben. Wie bereits erwähnt wäre eine Projekt dieser Größenordnung ohne Sponsoren nicht umsetzbar. Eine nicht jagende Familie mit ihrem Unternehmen Caroclips sponsert unter dem Motto „Wir werden Anhänger der Jagd“ den Bau des Anhängers inklusive seines Innenlebens. Zu den Sponsoren zählen auch der Raiffeisen Salzburg, die mit der Salzburger Jägerschaft einen Kooperationsvertrag auf weitere fünf Jahre abgeschlossen haben, ein Autobauer in Zell am See, der einen größer private Summe spendete, ein Lederbekleidungsdesigner aus Bayern, der auf Geschenke zu seinem 50sten Geburtstag verzichtete und einen Spendenaufruf für dieses Projekt ins Leben rief. „Ich als Landesjägermeister und die Salzburger Jägerschaft werten keinesfalls die Höhe der Spenden. Wir sind unendlich dankbar für jede Summe, die eingeht, um dieses Projekt zu verwirklichen. Denn nur gemeinsam schaffen das große Ganze. Derzeit wird von einer Baufirma aus Großarl das Carport für den Anhänger und Zugfahrzeug in Stegenwald gebaut“, ergänzt Mayr Melnhof.

 

 

  • Frau Mag. Ingrid Gatterbauer wurde zur Stellvertreterin des Ehrenanwaltes gewählt

Wahl Ehrengericht

Herr Bezirkshauptmann Reinhold Mayer, seit 1998 Bezirkshauptmann im Flachgau sowie Berater der Bezirkshauptleutekonferenz hat sich für die Wahl als Vorsitzender des Ehrensenats zur Verfügung gestellt. Als Ehrenanwalt Stellvertreterin wurde Frau Mag.a Ingrid Gatterbauer, Juristin und Leiterin Personalwesen der SALK, vorgeschlagen.

Die Wahlvorschläge wurden einstimmig von den Delegierten zum 73. Landesjägertag angenommen und so freut es Landesjägermeister Max Mayr Melnhof sehr, beide Persönlichkeiten in ihrer neuen Funktion in der Salzburger Jägerschaft begrüßen zu können.

Außerordentliche Mitglieder

Es wird nicht einfach sein ein außerordentliches Mitglied der Salzburger Jägerschaft zu werden. Dies ist ganz klar an Bedingungen geknüpft, der über jenen des außerordentlichen Mitgliedsbeitrags von € 50,00 hinaus geht. So möchte die Salzburger Jägerschaft einen Bürgen für dieses außerordentliche Mitglied. Federführend wurde hier in Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und dem Geschäftsführer der Salzburger Jägerschaft ein Aufnahmeprozedere erstellt.

Jagd Österreich

Die Plattform wild-oesterreich.at ist online. Diese Plattform widmet sich noch mehr dem hohen Stellwert des Wildbrets. Diese neue Plattform wird unterteilt in die neun Bundesländer und zeigt in welcher Region örtliches Wildbret erworben werden kann, mittels interaktiver Karte. Leben tut diese Plattform, die auch als App verfügbar ist, nur mit allen Jägerinnen und Jägern, die sich hier aktiv vernetzen. Das Wildbret stammt aus den österreichischen Revieren.

Ebenso wird an der Registrierung der verschieden Wildtierarten gearbeitet. Zählungen allein reichen nicht mehr aus. Es soll über die Jahre eine digitale Erfassung im Monitoring entstehen um aussagekräftige Zahlen – auch auf EU-Ebene – vorweisen zu können.

Beim Landesjägertag wurde mit einer Stimmenthaltung die Änderungen der Satzungen der Salzburger Jägerschaft, die aufgrund der Jagdgesetzesnovellierung nötig waren, von den Delegierten beschlossen. Gleichzeitig wurde die Entlastung des Vorstandes auf Grund des Tätigkeitsberichtes des Landesjägermeisters, des Geschäfts- und Kassenberichtes, des Berichtes der Rechnungsprüfer und die Beschlussfassung über den Rechnungsabschluss einstimmig, angenommen sowie die Neuwahl der Rechnungsprüfer beschlossen.

Mit einem herzlichen Dank von Landesjägermeister Max Mayr Melnhof an die Seekirchner Jagdhornbläser, die den 73. Landesjägertag musikalisch umrahmt haben und ihrem jagdlichen Abschlussstück, ging der diesjährige Landesjägertag zu Mittag zu Ende. Die Salzburger Jägerschaft bedankt sich bei allen Anwesenden für ihrer geschätzte Teilnahme am 73. Landesjägertag.

  • Musikalische Umrahmung durch die Seekirchner JagdhornbläserInnen

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